Ja mal wieder ein Regentag, an dem das Äpfelpflücken leider ausfällt. Naja ehrlich gesagt, hab ich schon keine Lust mehr. Die Arbeit ist körperlich anstrengend, aber sehr langweilig auf die Dauer. Außerdem wird es sehr schlecht bezahlt. Ich bekomme für eine Bin (Kiste mit ungefähr einer halben Tonne gepflückter Äpfel) 26,50 NZ$ umgerechnet 13€. Lächerlich! Damit man auf einen Mindestlohn kommt, muß man 3,5 Bin’s pflücken. Das bedeutet 1,75 Tonnen Äpfel.
Für den Job hab ich ganz schön viel Zeit in Motueka mit Warten verbracht, bis die Session losgeht. In dem Monat in Motueka hab ich viele Leute kennen gelernt und hatte jeden Tag etwas zu tun. Mein Tagesablauf sah meistens so aus, dass ich um 10Uhr aufgestanden bin. Teilweise bin ich in die Libary gefahren oder habe irgendwas gekauft, womit man den Tag verbringen kann, wie mein Auto bemalen oder Vorhänge basteln. Abends war immer was los, egal welchen Wochentag wir hatten. Es waren immer genug andere Backpacker da, mit denen man abends etwas machen konnte. Langsam bildete sich daraus ein netter Kreis. Jetzt kennt man sich und man trifft fast überall Leute aus allen Ländern der Welt, mit denen man sich meistens über die beschissene Arbeit austauschen kann oder fragt, wo am nächsten Abend wieder was los ist.
Es gab drei Plätze in Motueka. Der erste Platz war ein Parkplatz mitten im Stadtcenter am Infocenter. Dort gab es alles, einen Wasseranschluss, Klos und für schlechtes Wetter einen netten Japanischen Garten mit Häuschen, und wenn man ein Verlängerungskabel hatte, konnte man sich sogar einen Stromanschluss dort hinlegen und mit ein wenig Equipment wie Notebook und ein paar Boxen entstand dort unser eigenes Kino an Regentagen. Doch nach über einer Woche Dauercampen wurden wir von dort freundlich verwiesen. Weiter ging es auf einen Motorcamp am Meer mit allem, was man braucht. Dort war auch der absolute Höhepunkt mit einem kleinen Feuer, das wir zu sechst am Strand entzündet hatten. Nach einer Stunde hatte der Rauch eine große Menge an Leuten angelockt. Jeder brachte Holz und Bier mit und im Endeffekt waren wir über 40 Leute, von überall auf der Welt.
Am Motorcamp verwandelten sich meine Haare mit der Hilfe von Julia, einer Bürste und einer Häkelnadel in 80 Dreads.
Auch vom Motorcamp mussten wir bald verschwinden. Wir hatten es einfach übertrieben und die Müllberge, die sich am nächsten Morgen aus Bierflaschen stapelten, waren auch nicht zu übersehen. Doch es war nicht so, dass es nicht noch einen Platz in Motueka gabt. Weiter ging es am Motuekariver. Dort gab es nur nichts mehr, kein Wasser und Klo. Und ich hatte immer noch keinen festen Arbeitsplatz. Am nächsten Montag packte ich meine Sachen sehr früh zusammen, so gegen 7 Uhr. Ging in der Stadt auf Toilette und danach fuhr ich zu Golden Bay Fruit (Birdhurst). Dort wurde ich endlich mal nett empfangen mit der Nachricht, dass ich gleich anfangen kann zu arbeiten. Hätte ich gewusst, was mich da erwartet und dass die Bin’s so groß sind, hätte ich nicht einen Monat auf diesen Job gewartet. Gesamt war es aber eine super Zeit in Motueka.
Zurzeit wohne ich mit 11 anderen Leuten in einer super Wohnung mit geiler Küche und Bad. Wir arbeiten alle als Fruitpicker und haben einen ziemlich festen Tagesablauf. 6Uhr aufstehen, 8Stunden arbeiten, den Abend ausklingen lassen und am nächsten Tag lieber einen Dayoff. Ich meine, es ist nur mal wieder zu spät geworden. Leider ist die Zeit hier bald vorbei und die Südinsel wartet.
Für meine weitere Reise hab ich Joschi kennen gelernt. Er kam an einem Abend am Motuekariver in unsere Runde. Er packte seine Sachen zum Kochen aus und erzählte, dass er heute Nacht dort unter der Brücke schlafen wollte. Irgendwie kam mir das bekannt vor! Er ist Pfadfinder und ich glaube, wir haben die gleiche Einstellung zu reisen.
Ein Wort noch zu ein paar Leuten aus Motueka...
Danke Julia für die Dreads!
Danke Benjamin, dass wir uns den Gaskocher geteilt haben...
Danke Adrian und Maike für die fetten Créps abends... Geschmacksextasen!
Danke Jessy! Und achte auf gelbe Vans. Lass dir nicht zuviel wegessen. ohne dich/euch hätte ich nicht so eine geile Zeit hier gehabt... man sieht sich im Himmel.
Südinsel! Endlich, ich hoffe wir beide können auch im Herbst noch eine trockene Zeit verbringen.
Liebe Grüße an alle Moritz